THAER-HAUS ERSTRAHLT IN ALTER SCHÖNHEIT - Sitz der Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten -

Albrecht Thaer wurde 1752 in Celle geboren und gilt als Begründer der modernen Landwirtschaft. So hat er mit der wechselnden Fruchtfolge ein effizientes Verfahren entwickelt, dass den Bauern wesentlich bessere Ernteerträge einbrachte. Im Jahr 1786 kaufte Albrecht Thaer das Gelände der heutigen Parkanlage zwischen den Dammaschwiesen und der Straße Am Tiergarten. Thaer ließ für sich und seine Familie am Rand der Dammaschwiesen einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit einem Krüppelwalmdach erbauen.
Als Albrecht Thaer 11 Jahre später Celle verließ, wurde das Anwesen verkauft und in den Folgejahren vorwiegend als Ausflugslokal und Gastwirtschaft genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Thaer-Haus sein imposantes Erscheinungsbild durch das Vorsetzen der geputzten Westfassade. 1934 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Celle über und wurde ab 1934 als Schulungsstätte für die SS genutzt. Im Zuge des Wohnraummangels nach 1945 wurde das Gebäude in ein Mehrfamilienhaus umgewandelt.
2007 begann die Stadt Celle, Fachdienst Hochbau- und Gebäudewirtschaft, mit dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten. Schädlinge hatten die Holzkonstruktion des Fachwerkbaus an vielen Stellen zerstört. So waren die Holzschwellen fast umlaufend der Holzfäule zum Opfer gefallen. Die Wände mussten aufwendig abgefangen werden, um den Austausch der Schwellen vornehmen zu können. Auch die Eckstiele waren bis zu einer Höhe von 1m vollständig verrottet und wurden fachgerecht saniert.
Die Deckenbalkenköpfe waren nicht mehr tragfähig und wurden durch angeschuhte Stahlprofile ersetzt. Probleme gab es auch mit den Geschossdecken im 1. Obergeschoss und im Dachgeschoss. Sie waren immer wieder aufgedoppelt worden, so dass nun erhebliche Anstrengungen nötig waren, um einheitliche Fußbodenhöhen zu schaffen. Die ursprüngliche Fachwerkwand an der Westfassade war marode, so dass die vorgesetzte Fassade ebenfalls stark gefährdet war. Daher wurde die ursprüngliche Fachwerkfassade durch einen komplett neuen Wandaufbau ersetzt.
Im Zuge der Baumaßnahme wurde das Gebäude energetisch aufgewertet. So wurde das Dach bis auf die Holzkonstruktion zurückgebaut, gedämmt, abgedichtet und neu eingedeckt. Von innen wurden die Wände zum Teil mit dem Kapilar-Dämmsystem der Firma Haacke versehen, dass speziell für die nachträgliche Dämmung von historischen Gebäuden entwickelt wurde. Die neuen Wärmeschutzfenster wurden, dem historischen Vorbild entsprechend, nachgebaut.
Umfangreiche Fassadenarbeiten runden die Baumaßnahme ab, wobei die ursprüngliche Material- und Farbgestaltung nicht verändert wurde, so dass sich das Thaer-Haus nun in „alter Schönheit” präsentiert. Rund 1,7 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Am 27. Januar übergab die Stadt Celle das Gebäude an die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten. Die Stiftung wurde 2004 gegründet. Sie dient der Aufarbeitung der Geschichte von 1933 bis 1945 im Gebiet des Landes Niedersachsen, insbesondere in Bezug auf Verfolgung und Widerstand.
„Wir nutzen diesen Tag heute und übergeben dieses Haus der Stiftung Niedersächsische Gedenk-
stätten”, machte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende anlässlich des Festaktes deutlich. „Wir erinnern heute an den Holocaust, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Wir freuen uns, dass mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten hier ein dauerhaftes Erinnern möglich ist. Die Stiftung hat Anfang Februar ihr neues Domizil bezogen. Die umfangreiche Dokumentationsstelle und die Fachbibliothek sind öffentlich zugänglich.

