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THAER-HAUS ERSTRAHLT IN ALTER SCHÖNHEIT - Sitz der Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten -

Der Beitrag wurde im März 2010 veröffentlicht.

Albrecht Thaer wurde 1752 in Celle geboren und gilt als Begründer der modernen Landwirtschaft. So hat er mit der wechselnden Frucht­folge ein effizientes Verfahren ent­wickelt, dass den Bauern we­sentlich bessere Ernteerträge einbrachte. Im Jahr 1786 kaufte Al­brecht Thaer das Gelände der heutigen Parkanlage zwischen den Dammaschwiesen und der Straße Am Tiergarten. Thaer ließ für sich und seine Familie am Rand der Dammaschwiesen einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit ei­nem Krüppelwalmdach erbauen.

Als Albrecht Thaer 11 Jahre später Celle verließ, wurde das Anwesen verkauft und in den Folgejahren vorwiegend als Ausflugslokal und Gastwirtschaft genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Thaer-Haus sein imposantes Er­scheinungsbild durch das Vorset­zen der geputzten Westfassade. 1934 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Celle über und wurde ab 1934 als Schulungsstätte für die SS genutzt. Im Zuge des Wohnraummangels nach 1945 wur­­de das Gebäude in ein Mehr­fa­mi­lienhaus umgewandelt.

2007 begann die Stadt Celle, Fach­dienst Hochbau- und Gebäu­de­wirtschaft, mit dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten. Schäd­linge hatten die Holzkons­truktion des Fachwerkbaus an vielen Stel­len zerstört. So waren die Holz­schwellen fast umlaufend der Holz­fäule zum Opfer gefallen. Die Wände mussten aufwendig abgefangen werden, um den Austausch der Schwellen vornehmen zu können. Auch die Eckstiele waren bis zu einer Höhe von 1m vollständig verrottet und wurden fachgerecht saniert.

Die Deckenbalkenköpfe waren nicht mehr tragfähig und wurden durch angeschuhte Stahl­profile ersetzt. Probleme gab es auch mit den Geschossdecken im 1. Obergeschoss und im Dach­geschoss. Sie waren immer wieder aufgedoppelt worden, so dass nun erhebliche Anstrengungen nötig waren, um einheitliche Fußboden­höhen zu schaffen. Die ursprüngliche Fachwerkwand an der West­fassade war marode, so dass die vor­gesetzte Fassade ebenfalls stark gefährdet war. Daher wurde die ursprüngliche Fachwerkfassa­de durch einen komplett neuen Wandaufbau ersetzt.

Im Zuge der Baumaßnahme wurde das Ge­bäu­de energetisch aufgewertet. So wurde das Dach bis auf die Holz­konstruktion zurückgebaut, ge­dämmt, abgedichtet und neu eingedeckt. Von innen wurden die Wän­de zum Teil mit dem Kapilar-Dämmsystem der Firma Haacke ver­sehen, dass speziell für die nach­trägliche Dämmung von historischen Gebäuden entwickelt wurde. Die neuen Wärme­schutz­fenster wurden, dem historischen Vorbild entsprechend, nachgebaut.

Umfangreiche Fassadenarbeiten runden die Baumaßnahme ab, wobei die ursprüngliche Material- und Farbgestaltung nicht verändert wurde, so dass sich das Thaer-Haus nun in „alter Schönheit” präsentiert. Rund 1,7 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Am 27. Januar übergab die Stadt Celle das Gebäude an die Stiftung Nie­dersächsischer Gedenkstätten. Die Stiftung wurde 2004 gegründet. Sie dient der Aufarbeitung der Geschichte von 1933 bis 1945 im Gebiet des Landes Nieder­sachsen, insbesondere in Bezug auf Verfol­gung und Widerstand.

„Wir nutzen diesen Tag heute und übergeben dieses Haus der Stif­tung Niedersächsische Ge­denk-
s­tätten”, machte Celles Ober­bür­germeister Dirk-Ulrich Mende anlässlich des Festaktes deutlich. „Wir erinnern heute an den Holo­caust, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Wir freuen uns, dass mit der Stiftung Nieder­sächsische Gedenkstätten hier ein dauerhaftes Erinnern möglich ist. Die Stiftung hat Anfang Februar ihr neues Domizil bezogen. Die umfangreiche Dokumenta­tions­stelle und die Fachbibliothek sind öffentlich zugänglich.