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14 April 2024

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Februar 2024

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn man des Englischen kundige Menschen einst fragte, ob es für sie in Deutschland etwas gibt, was es wirklich nur in Deutschland gibt, hatten sie die verschieden-sten Antworten. Die Kuckucksuhr dürfte ziemlich sicher auf Platz Eins gelandet sein. Aber auch die Lederhose, die Weißwurst oder – um mal etwas Norddeutsches mit reinzubringen – der Grünkohl mit Pinke waren heiße Kandidaten.

Und heute? Tja. Da bekommt man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit „german angst“ vor den Latz geknallt. Damit ist exakt gemeint, was gesagt wird, die deutsche Angst nämlich, und die ist so eigenartig und unverwechselbar, dass man im englischsprachigen Raum erst gar nicht versucht hat, eine Übersetzung dafür zu finden.

Aber wovor genau sollen wir hierzulande denn nun eigentlich eine Angst haben, die es nur bei uns und nirgends sonst auf der Welt gibt? Diese Antwort allerdings ist einfach: Vor allem! Wir haben Angst davor, dass die Jungs der deutschen Nationalelf im Sommer im eigenen Land in der Vorrunde die Segel streichen. Angst davor, dass Bayer Leverkusen Deutscher Meister wird, oder davor, dass sie es am Ende doch wieder nicht werden. Angst davor, dass uns irgendwer den geliebten SUV verbieten will, und davor, dass irgendwer ihn auf Ewigkeiten begünstigen wird.

Nur vor einer Sache hatten wir vielleicht nicht so richtig genug Angst, und jetzt müssen ausgerechnet wir hier in Celle und Umgebung diese kleine Nachlässigkeit ausbaden. „Ausbaden“ übrigens im wortwörtlichen Sinn, denn bei dieser Sache handelt es sich um Hochwasser. Nun ist es irgendwie auch wieder Ironie des Schicksals, dass diese kleine Großkatastrophe eine Region trifft, deren Fluss schon im Namen die perfekte Antwort parat hat. Stellt man sich nämlich wütend und schockiert auf die Pfennigbrücke in Celle und schreit der trüben Brühe entgegen: „Wessen Problem soll denn das ganze viele Wasser sein?“ Dann antwortet die trübe Brühe einigermaßen würdevoll: „Aller“.

Das war – und ist es vielerorts noch – wirklich so. Es soll nämlich nicht weniger Läuferinnen und Läufer gegeben haben, die völlig unfreiwillig zum Triathlon gezwungen wurden. Wie das? Sie sind mit dem Rad zum Günther-Volker-Stadion (im Volksmund: TuS-Stadion) und dann ab in den Wald Richtung Aller-Radweg. Da allerdings gingen die Probleme los, und die Probleme hatten alle denselben Namen: Wasser. Erst sahen sie es vor sich, dann links und rechts neben sich, dann – als sie sich zur Umkehr entschieden – leider auch hinter sich. Die einzige Chance blieb, sich mutig in die Fluten zu stürzen und, wohlgemerkt gegen den Strom, nach Celle zurückzuschwimmen. Wer braucht da noch Hawaii, um in drei Disziplinen Hochleistung zu zeigen? Ach ja, und in Hawaii beim Iron Man bleibt allen Teilnehmenden die vierte Disziplin ja sogar erspart, die bei uns hier am Ende noch mal hundert Prozent Einsatz, Leidenschaft und Kondition fordert. Sie ist zwar noch nicht olympisch, hat aber schon mal einen Namen: Kellerauspumpen.

Viel zu tun also. Und viele Daumen zu drücken, wir alle füreinander, dass exakt das Gegenteil davon passiert, was man sich auf Schützenfesten wünscht, und der Pegel wieder sinkt. Nicht falsch verstehen: Es muss ja nicht unbedingt ganz so trocken werden wie die Redekunst unseres Bundeskanzlers. Das wäre womöglich auch gar nicht wünschenswert, weil dann das Obst und Gemüse in unseren Gärten den Löffel abgeben würde, bevor wir die Chance hätten, es auf selbigen zu bekommen.

Warten wir ab und bleiben wir gespannt. Und wenn wir vielleicht sogar noch lernen wollen, unsere „german angst“ zu überwinden, müssen wir möglicherweise nur die richtige Freundin finden. Der American Football-Spieler Trevor Kelce jedenfalls bekam kürzlich Besuch von seiner Liebsten Taylor Swift im Stadion. Und siehe da: Er gewann. Nicht die Vorrunde, sondern die Super Bowl.

Einen angstfreien Frühlingsbeginn wünscht Ihnen 

Ihr Team von SB&W

Bauvorhaben dieser Ausgabe

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