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16 Mai 2021

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Mai 2021

Neulich in der superwichtigen Video-Konferenz: „Könnt ihr mich hö…“ – „Ich glaube, du hast…“ – „Moment, mein WLAN ist gera…“ – „Bei dir ist Standbild, willst du vielleicht Video ganz ausschalten?“ – „Ja, mache ich.“ – „Jetzt bist du ganz weg.“ – „Können wir anfangen?“ – „Ja, aber du bist total verpixelt.“ – „Warte mal, ich teile jetzt mal dieses Dokument hier, Moment, könnt ihr es sehen? Hallo? Ist noch irgendwer außer mir da? Hallo? Hallo?“

Deutschland 2021. Viele von uns machen zur Zeit spannende Erfahrungen. Wir können ja mal versuchen, sie mit der Zeit zu vergleichen, in der wir noch gemeinsam an einem Konferenztisch sitzen konnten. Wäre ungefähr so, als würden plötzlich folgende Fragen gestellt werden: „Sagt mal, ist das hier wirklich ein Tisch?“ – „Ich zeige euch jetzt eine Präsentation. Seid ihr auch so erstaunt, dass wir sie alle zeitgleich sehen können?“ – „Wundert ihr euch auch darüber, dass wir schon eine halbe Stunde zusammensitzen und noch gar nicht darüber gesprochen haben, weshalb wir uns getroffen haben?“ Aber wer hat auch schon behauptet, die Digitalisierung bekäme man geschenkt? Einfach den Online-Optimismus behalten und hoffen, dass sogar in der Sphäre der Politik irgendwann mal jemand auf den naheliegenden Gedanken kommt, dass eine reibungslose Vernetzung mit funktionierenden Netzen zu tun hat.

Einfach ist ja aber momentan sowieso gar nichts mehr. Früher hat man sich bei den Unions-Parteien CDU und CSU schnell mal eben in kleiner Runde im Hinterzimmer getroffen und sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit arrangiert. Das fanden dann immer unter anderem die Grünen total unmöglich, die ihrerseits ihre Parteitage zu allumfänglichen und sich oft auch ein bisschen ziehenden Familienaufstellungen machten, aus denen am Ende niemand so richtig unbeschadet entlassen werden konnte. Und heute? Haben sich Annalena und Robert ziemlich clever den Hinterzimmerschlüssel der Union gemopst und sich schnell mal in diesem verbarrikadiert. Und weil nun der Schlüssel von innen steckte, mussten Armin und Markus ihr so unterhaltsames wie aufschlussreiches Wrestling im voll beleuchteten Ring austragen, bis die rheinische Frohnatur die bajuwarische Frohnatur niedergerungen hatte.

Irgendwie niedergerungen wurden auch zwölf europäische Fußballvereine, die eine Vision hatten, wie sie im traditionell christlich geprägten Europa ja hin und wieder vorgekommen sein sollten. In diesem Fall ging es um eine Super-Liga, in der vor allem zwölf Super-Klubs immer dabei sein sollten, nämlich – ist ja klar – genau das Dutzend der Erleuchteten. Um Geld soll es dabei wohl auch gegangen sein, aber da haben wir dann ja gottseidank noch wertetreue Moralisten, die aus voller Überzeugung Einspruch erheben. Also die UEFA, genau. Der nämlich geht es bekanntlich nie um Geld, sondern immer nur um die Fundamente des Fußballs, weshalb zum Beispiel die Austragungsorte der nächsten EM verpflichtet werden, Publikum in die Stadien zu lassen, aber natürlich nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Spirits, der bekanntlich stärker ist als die Dribbelkünste eines beinlosen Virus.

Halten wir also fest: Es gibt genug zu tun. Egal, ob die Kandidatin aus dem Hinterzimmer oder der Kandidat aus der Schlammschlacht am Ende das Ruder übernimmt, ihr oder sein Aufgabenbuch wären randvoll gefüllt. Die kommenden Generationen haben einen Volltreffer beim Verfassungsgericht erzielt und können nun ganz selbstbewusst fordern, dass zwar die „Fridays“ immer noch ihr Ding bleiben, die „Future“ aber plötzlich doch höchstrichterlich bestätigt alle angeht. Und dann wäre da noch gut, wenn man vielleicht die Digitaliserung auch im komplett abgehängten Netzentwicklungsland Deutschland nicht ganz so sehr auf die leichte Schulter nehmen würde. Es ließe sich schließlich sogar die nächste Fußball-EM rein digital ausspielen, aber nicht, wenn das mit der Frage beginnt: „Ich spiele ja in die Gasse, aber könntest du jetzt mal aufhören, so zu ruckeln?“

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