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29 Juni 2022

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Ausgabe Mai 2022

Liebe Leser*innen,

wenn wir uns dazu durchringen, uns ein Haustier zuzulegen, sagen wir mal, einen Papagei, dann verbinden wir damit gewisse Erwartungen. Also in diesem Fall zum Beispiel, dass unser künftiger Gefährte möglichst viele bunte Federn hat und – natürlich sprechen kann. Sollte er allerdings dann Tage, Wochen, Monate mucksmäuschenstill bleiben, wäre das ja wohl durchaus ein Grund, mal in der Tierhandlung vorbeizuschauen und ihn zurückzugeben. So weit, so nachvollziehbar. Jetzt stellt sich allerdings die Frage, welche Anlaufstelle wir haben, um auf folgendes hinzuweisen: „Der Kanzler spricht nicht!“ Und damit beklagen wir uns ja nicht mal über das fehlende knallbunte Federkleid.

Tatsächlich scheint unser Bundeskanzler klammheimlich am Zeitalter des Stummfilms zu hängen, nur dass sich niemand darum kümmert, die Untertitel einzublenden. Das letzte, was wir noch vom Scholzomaten gehört haben, war das Versprechen, dass man von ihm Führung bekommt, wenn man Führung bestellt. Nur scheint es mit dieser Bestellung so auszusehen, wie mit so vielen anderen in Zeiten, in denen man nicht immer zu Hause sein kann: Sie muss wohl irgendwie beim Nachbarn abgegeben worden sein und wartet schon eine ganze Weile darauf, mal abgeholt zu werden.

Ist ja aber vielleicht auch egal, so lange andere laut und hörbar bleiben. Markus Söder zum Beispiel hat in Würzburg schon mal vorsorglich den Wahlkampf zur bayerischen Landtagswahl eröffnet und ist mal so richtig überzeugt und frontal mit allem ins Gericht gegangen, wofür die CSU, ehrlich gesagt, selber mal stand. Aber was kümmert uns schon unser Gejodel von gestern? Heute hat Supersöder die Grünen als wichtigsten Konkurrenten ausgemacht und sich von China inspirieren lassen, wie man mit Konkurrenten am besten fertig wird. Man macht sie einfach nach. Und deshalb geht’s jetzt bei der Schwesterpartei der Bundesunion grüner als grün ab, sodass sogar wirklich zu befürchten steht, dass es auf dem nächsten Oktoberfest auf den Wies’n nur noch Bio-Maß geben wird. Schade ist aber, dass wir den Wind, den Söder macht, nicht für die Energieerzeugung nutzen können. Das nämlich würde vielleicht schon reichen, um von jetzt auf gleich vollständig auf Erneuerbare umzustellen.

Aber noch mal zurück zum Oktoberfest. Wenn du da mit jemandem am Tisch sitzt und der erklärt dir glaubwürdig, dass er nicht einen Cent Geld hat, dann ist doch klar, dass du großzügig eine Maß springen lässt. Blöd wäre dann nur, wenn du am nächsten Tag erfährst, dass dein Gast auf dem Weg nach Hause noch mal eben ein paar Tausend Euro bei seiner Ex-Ehefrau vorbeigebracht hat. So was gibt es doch gar nicht? Naja, wohl doch, auch wenn es genauso unwahrscheinlich ist, wie mit 17 das Tennistournier von Wimbledon zu gewinnen. Jetzt hat es also unser aller Bobbele erwischt und ihn erwartet, was dem britischen Ministerpräsidenten nach seiner unwürdigen Corona-Feierei wohl trotzdem erspart bleibt: eine Runde Knast in England. Wir sind aber alles andere als schadenfroh und drücken die Daumen, dass es auf dem Gefängnishof einen Rasenplatz gibt.

Für Schadenfreude besteht ja auch wirklich kein Grund. Wir alle sind Menschen, und Menschen machen nun mal Fehler. Sie lassen zu, dass Fußballweltmeisterschaften im Winter gespielt werden dürfen. Sie gehen davon aus, im Deutschen Bundestag eine Mehrheit für eine allgemeine Impfpflicht zusammen zu bekommen. Und sie denken, so ein Viertelfinale in der Champions League gegen Villareal ist doch schon gewonnen, bevor man es überhaupt gespielt hat.

In einem aber irren wir zumindest nicht. Es wird wie jedes Jahr auch in diesem Mai wieder warm und wir dürfen uns darauf freuen, wieder mehr unbeschwerte Stunden auf Terrasse oder Balkon verbringen zu können. Vielleicht bringen die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen ja sogar die Stimmbänder des Kanzlers zum Schwingen!

Ihr
Team von SB&W

Bauvorhaben dieser Ausgabe

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